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Grünen-Fraktionschef Hofreiter redet über Enteignung von Grundbesitz

Lieber Herr Hofreiter,

Um Wohnraum zu schaffen, soll vor Enteignung nicht zurückgeschreckt werden und der Gebäudetyp Einfamilienhaus wird als Energiefresser und Ressourcenvergeuder verdammt.

Na herzlichen Glückwunsch Herr Hofreiter, Sie haben es geschafft, 31% der Bundesbürger zu diffamieren und das mit einer Ahnungslosigkeit, die schon an stoischer Naivität grenzt.

Aber der Reihe nach:

Was regt mich darüber so auf? Jeden Tag entwickle ich beruflich neue Hochbau-Projekte. Sei es das Einfamilienhaus oder der Wohnkomplex mit vielen Einheiten.

Jeden Tag stehe ich vor dem selben Problem:

Wie können wir bezahlbaren Wohnraum generieren und dabei nicht automatisch Bauprodukte aus China importieren, die fragwürdig hergestellt wurden und über welchen langen Weg auch immer hierher kamen? Auch stelle ich mir die Frage: wie kann ich die Handwerks-Unternehmen hier in meiner Umgebung mit meinen Projekten stärken. Dies stellt nämlich wirkliche Nachhaltigkeit dar: Regional und mit unseren Produkten.

Egal wie ich es drehe und wende, die Anforderung „bezahlbar“ wird immer schwieriger, wenn nicht gar unmöglich. Das hat aber nicht zwangsläufig mit raffgierigen Bauträgern zu tun, die unglaublich billig (nicht günstig!) einkaufen und unglaublich teuer verkaufen wollen.

Oft sind behördliche Auflagen dafür verantwortlich, dass wir teurer bauen und weniger Wohneinheiten produzieren dürfen.

Ich möchte hier aus dem Neubausektor ein Beispiel geben:

Nach dem Landesgesetz (LBO) muss jede neue Wohneinheit mindestens einen Autostellplatz und vier Fahrradstellplätze aufweisen. Viele Kommunen gehen da sogar weiter und sagen, wir wollen zwei Autostellplätze, egal wie groß die Wohnung ist. 

Jetzt hat die 55m2 große Single-Wohnung auf einmal mehr Platz in der Tiefgarage als das Wohnzimmer groß ist. Wozu braucht dieser Single nun den zweiten Stellplatz und die drei zusätzlichen Fahrräder ?

Wie passt das überhaupt zusammen, wenn wir alle doch nach Ihrer Meinung, Herr Hofreiter, auf „alternative Verkehrsmittel“ umsteigen sollen? Warum zusätzlichen Stellplatz bauen, den irgendwer bezahlen soll? 

Das ist doch ein Grund, warum die Anzahl der Wohneinheiten begrenzt wird. Wir könnten kleinere und mehr Wohneinheiten pro Projekt verwirklichen, aber wir können nicht noch mehr Stellplätze auf einem Grundstück unterbekommen.

Auch Tiefgaragen dürfen wir nicht endlos in die Tiefe buddeln, mal davon abgesehen, dass diese Maßnahmen den Preis pro Einheit wieder mächtig wachsen lässt.

Wie wäre es also, wenn wir uns zielgerichtet anschauen, wieviele Stellplätze wir brauchen anstatt von vorneweg vorzuschreiben welche wir bauen MÜSSEN.

Weiter wäre es mir sehr lieb, wenn wir günstig in die Höhe bauen dürften. Dies schont nicht nur Fläche, da diese bereits versiegelt ist und wir nur noch erhöhen, nein dies ist vor allem ökologisch, weil wir bestehende Gebäude einfach mit dem Baustoff Holz aufständern könnten.

Dieser Baustoff ist nicht nur leicht, sondern der wächst in unseren Wäldern und der wächst gar nach.

Hier wird uns nun oft aus zwei Bereichen ein Strich durch die Rechnung gemacht:

Erstens sagen Sie und Ihre „Bau“-Kollegen: „Na, Holz brennt doch, das dürfen wir dann mal so gut wie garnicht im Hochbau ab einer gewissen Höhe verwenden“ und zweitens: „Im Wohnungsbau müssen wir die Eigentümer vor so raffgierigen Bauträger-Bestien schützen, wir lassen massiv bauen. Nur so können wir die Qualität des Schallschutzes einhalten“.

Beides Quatsch. Holz kann man beschichten, dass es nicht mehr brennt oder einen gewissen Feuerwiderstand einhält und auf dem ruhigen Land wird nicht die gleiche Anforderung an den Schallschutz gestellt wie bei Ihnen in Berlin. Vor allem wenn man bedenkt, dass die ganzen alten Berliner Mietskasernen Holztreppenhäuser haben. Nicht auszudenken, wenn es dort brennt. Aber halt mal, dort brennt es auch und nicht immer sterben gleich Menschen.

Aber ich merke schon, mit Fachwissen überzeuge ich Sie nicht. Es geht hier um Populismus.

Der Typ Einfamilienhaus-Besitzer hat Geld ohne Ende und gehört zum Geld-Adel, dem kann man doch mal seine unzähligen Villen in ganz Deutschland abnehmen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Glauben Sie mir, ich zahle unser Häuschen immer noch ab und meiner Frau und mein Immobillien-Besitz beschränkt sich auf eines.

Auch lass ich mir nicht von Ihnen nachsagen, dass ich, weil wir ein Einfamilienhaus haben, Umweltsünder bin.

Würden Sie sich Gedanken zu Ihren Baugesetzen machen, dann dürften wir höher und größer bauen mit mehr Einheiten bei weniger Tiefgarage.

Wenn wir Planer wieder mehr Vertrauen hätten, dann könnten wir das liefern, was benötigt wird. Bezahlbaren Wohnraum, in der die vierköpfige Familie wohnen kann und das zu Preisen, mit denen man leicht Eigentümer werden kann statt Mieter zu bleiben.

Mit freundlichen Grüßen 

Ihr von Ihrer Polemik genervter Matthias Röder 



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